John Armleder, 1954

Thunder, 1988 Spiegel und Trommeln 165 x 220 x 150 cm Thunder, 1988 Spiegel und Trommeln 165 x 220 x 150 cm

Der Schweizer Künstler, Kurator und Galerist John M. Armleder thematisiert die Trivialisierung der Kunst durch ihre ständige und massenhafte Präsenz; er wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Kultur und Kult, zwischen Kunst und Alltag, High and Low. Ganz im Sinne einer künstlerischen Ökonomisierung verwendete er daher für seine frühen Pour Paintings, wie dem ohne Titel, jegliches geeignet erscheinende Material. Dass die Lacke und Farben, oft gemischt mit diversen Zuschlägen, dabei auf unvorhergesehene Weise miteinander reagieren, ist intendiert - und rekurriert auf Entropie-Vorstellungen, denen zufolge geschlossene Systeme einer unumkehrbaren Veränderung unterworfen sind und unausweichlich ihrem Kollaps entgegensteuern.

 

o.T, 90-I, 1990 24 Neonröhren o.T, 90-I, 1990 24 Neonröhren

Darüber hinaus ist Armleder ein Meister des Zitats. Ungeniert kombiniert er gängige Stilelemente der Moderne, von Versatzstücken abstrakter Malerei über Objets trouves bis hin zur Minimal Art, überschreitet dabei selbstredend sämtliche Gattungsgrenzen und ironisiert so die Konventionen und Dogmen der Kunst des 20. Jahrhunderts. Das Readymade Duchamps wird von Armleder in seinen Furniture Sculptures paraphrasiert, indem er Möbelstücke übermalt oder einfach mit Bildwerken der Moderne kombiniert. Doch die Arbeit Thunder geht noch weiter: Zwei Schlaginstrumente zu je vier Trommeln sind vor einem Spiegel platziert; der Dopplung der Objekte entspricht so die Dopplung ihres Umraumes. Der Schriftzug auf den einzelnen Trommeln - Thunder - ist auch Titel des Werkes und liefert zugleich den Schlüssel zu seiner Dechiffrierung, ja zu einer gleichsam virtuell-synästhetischen Erfahrung: Durch ihn fügt der Betrachter der tatsächlichen, optischen Vervielfältigung gedanklich die akustische hinzu, auf dass aus einem Trommelschlag ein Donnersturm werde - auch wenn tatsächlich nur zwei stumme Schlagzeuge vor ihm stehen.


Mönchehaus Museum Goslar
Palais des Mirages - Werke aus der Sammlung FER -
Juli 2009

 

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