Luciano Fabro, 1936 - 2007

"Meiner Generation muss das Verdienst zuerkannt werden, sich viele unmittelbar einsetzende Freiheiten herausgenommen zu haben: die Frivolität, die Willkür, die Übertreibung, das Abschweifen, die manische Besessenheit ... und dadurch mit nicht zu leugnender Fähigkeit die klassische Rhetorik verjüngt zu haben. Entscheidend war jedoch, dass sie die Schaffung eines ganz besonderen Erkenntnisapparats, eines autonomen Kunstkörpers unterstützt hat."

 

L. Fabro, 1981
In: Ausstellungskatalog L.F., Museum Folkwang Essen/Museum Boymans-van-Beuningen Rotterdam, 1981/1982

Diese Kunst ist das Resultat der absoluten Einheit von Idee und Erscheinung, von Planung und Wirkung - sie könnte als Gegenpol zu Mario Merz' elementarer Spontaneität charakterisiert werden. Für Fabro ist das Kunst-Schaffen in erster Linie ein intellektueller Akt, der jedoch die bildnerische Umsetzung braucht, weil er sonst nicht emotionell erfahrbar wäre. Was wie ein Widerspruch klingt, ist in Fabros Werk Prinzip. Fabro materialisiert Einsichten, um durch den Weg über die Sinne den Geist zu erreichen.

 

Die »Italien« stellen die vollkommene Verschmelzung von mit Inhalt belasteter Form und geschichts-beladenem Material dar - von Traditionen, die sich in der Identifizierung auflösen und etwas Neues »bilden«. Hier eben sieht Fabro die Funktion des Künstlers: im schöpferischen Vorgang eine Neuordnung der Dinge zu bewirken, »die Natur des einen Dings mit der Natur des anderen, die Integrität des einen mit der Integrität des anderen« aufzuladen, um bestehende Perspektiven zu verändern und durch neue »Logik« die Mittel für »eine Entwicklung des menschlichen Geistes in der Welt« zu liefern.

 

»Halten wir uns vor Augen, dass ein Künstler, der darüber spricht, wie er die Materialien verwendet, wie er den Raum entwickelt, wie er die Dinge zueinander in Beziehung setzt, nichts anderes tut, als auf verschiedene Arten, die sich aus den Bedingungen ergeben, den Begriff Sympathie anzuwenden. Wenn er, sagen wir, Bronze und Kupfer oder eine Farbe mit einer anderen verbindet, realisiert er eine metaphysische Form von Sympathie. Tatsächlich haben wir, wenn das Resultat der Verbindung gelungen ist, nicht mehr das Gefühl, es sei eine Verbindung, sondern wir haben das Gefühl, es sei ein Drittes entstanden.«

 

Christel Sauer
Katalog DIE SAMMLUNG FER - THE FER COLLECTION
Köln, 1983

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