Dan Flavin, 1933 - 1996

Zusammen mit Andre, Judd, LeWitt und Robert Morris gehört Dan Flavin zum harten Kern der Minimal Künstler. Unabhängig voneinander hatten sie ein ähnliches Gedankengut entwickelt, das das Kunstwerk von aller traditionellen >Belastung< wie symbolischer Bedeutung, Kostbarkeit des Materials und Herstellung als künstlerischem Akt befreite und auf seine primären Aussagen als Gegenstand oder Serie gleicher Gegenstände von bestimmter (einfacher) Form, Größe und Stofflichkeit in einem bestimmten räumlichen Kontext beschränkte. »What you see is what you see« (Was man sieht, ist, was man sieht), so Frank Stella. Dan Flavin arbeitet mit Licht. Er begann - nach einem Kunstgeschichtsstudium - zunächst als Maler.

 

»The Nominal Three« ist Flavins Verwendung der genormten Leuchtstoffröhre nicht einfach die objekthafte Erweiterung eines überkommenen bildnerischen Formvokabulars. Die Leuchtstoffröhre dient dazu, architektonische Gegebenheiten zu verändern, aufzulösen und neu zu strukturieren. In diesem Sinn (der Veränderung einer Situation) sieht Flavin sein Werk in der Nachfolge der russischen Konstruktivisten, vor allem Tatlins. Es ist also keine Frage, dass Flavin nicht primär die psychologische, magische oder mystische Wirkung des - in der weiteren Entwicklung zunehmend farbigen - Lichts anstrebt. Er betont ausdrücklich die physische Präsenz der Leuchtstoffröhren als Gegenstand wie als Licht - mit der Differenzierung ihrer messbaren, bzw. nicht messbaren Begrenzung.

 

Mönchehaus Museum Goslar
Palais des Mirages - Werke aus der Sammlung FER -
Juli 2009

Der Künstler erinnert mit dieser Arbeit an Wilhelm von Ockham, ca. 1300-1350, den bedeutendsten Vertreter des Nominalismus.

 

Er schuf eine Ontologie des transzendentalen Seins, die an Thomas von Aquin und Duns Scotus anknüpft und über Suarrez, Leibnitz und Gabriel Biehl bis zu Kant reicht. Er sieht die ganze Welt als aus Einzeldingen und Wesen zusammengesetzt an und führt alle Erkenntnis auf die äußere und innere Erfahrung zurück. Dadurch muss die Philosophie ebenso wie alle Wissenschaft sich von der Theologie freimachen.

 

Mit Wilhelm von Ockhams Nominalismus und seinen Folgerungen ist das von der Scholastik in Jahrhunderten geknüpfte Band zwischen Theologie und Philosophie, zwischen Glauben und Wissen praktisch zerschnitten. Es gibt eine doppelte Wahrheit, ähnlich wie es Averoes schon viel früher behauptet hatte. Diese Trennung ist die geistige Grundlage zur freien Entwicklung der Wissenschaften.

 

Den Zwiespalt von Wissen und Glauben reflektiert Flavin mit seiner Arbeit, die auch an die Trinität der christlichen Religion erinnert.

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