Keith Haring, 1958 – 1990

Ob Hauswände, Glas, Körper oder Leinwände, es gab kaum einen Untergrund, den Keith Haring nicht nutzte, um seine Figuren lebendig werden zu lassen. Erste künstlerische Erfolge erzielte er Ende der 70er Jahre mit der Bemalung leerer Plakatflächen in New Yorker U-Bahn-Stationen. Die Möglichkeit, Kunst hierdurch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, faszinierte ihn. Die Skizzenhaftigkeit der Ausführung, die farbliche Reduzierung und die einfachen Kompositionen wurden schnell zum Markenzeichen seiner Bilder. Ohne Titel, Oct. 31, 1981 veranschaulicht seinen in jener Zeit entwickelten Malstil und zeigt zugleich Harings Neigung zur formalen wie ikonografischen Doppeldeutigkeit: Das breite Lächeln des dreiäugigen „Smiley" transportiert durch seine Überspitzung trotz seiner positiven Ausstrahlung einen negativen Beigeschmack.

 

Auch in ohne Titel, April 21, 1984 (Painting for Francesca Alinovi) ist ein permanenter Wechsel zwischen vermuteter und tatsächlicher Bildaussage bemerkbar. Auf blauem Untergrund befinden sich schwarze, mit Rot übermalte Linien. Anders als die heitere Farbgebung erwarten lässt, werden aus diesen wirren, bildbeherrschenden Linien erst Formen und dann Monster und andere Skurrilitäten. Die Hauptszene spielt sich in der Bildmitte ab. Ein Arm, in der Hand ein Messer umklammernd, stößt von oben herab in einen in der unteren Bildhälfte angedeuteten Körper. Wie im Titel angedeutet, handelt es sich dabei um die 1983 ermordete Kunstkritikerin Francesca Alinovi. Durch die thematischen Gegensätzlichkeiten und sich ständig neu gruppierenden Motive versucht Haring, den Fokus auf die mysteriösen Umstände ihres Todes zu legen.

 

Cathrin Langanke
Katalog Faster! Bigger! Better!
MNK/ZKM 1006

 

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