Donald Judd, 1928 - 1994

„Drei Dimensionen sind wirklicher Raum, das befreit vom Problem des Illusionismus und des nur bezeichneten Raums - Raum in und um Markierungen und Farben - ist Befreiung von einem der hervorstechenden Relikte europäischer Kunst, einem gegen das am meisten vorzubringen ist. Die zahlreichen Begrenzungen des Bildes bestehen nicht mehr. Eine Arbeit kann so stark sein wie nur vorstellbar. Tatsächlicher Raum ist wirklich aussagestärker und spezifischer als Farbe auf einer flachen Ebene. Ganz offensichtlich kann in drei Dimensionen alles jede nur denkbare Form annehmen - regelmäßig oder unregelmäßig - und jede nur denkbare Beziehung zu Wand, Boden, Decke, Raum, Räumen oder Außenwelt, zu nichts oder zu allem haben. Jedes Material kann so, wie es ist, oder bemalt verwendet werden."

 

„Europäische Kunst musste einen Raum und seinen Inhalt darstellen und dazu noch verhältnismäßig einheitlich und ästhetisch interessant sein... In den neuen Arbeiten stehen Form, Image, Farbe und Oberfläche autonom, nicht als Teil und verstreut. Es gibt keine unbeteiligten oder zweitrangigen Gebiete oder Teile, keine verbindenden oder überleitenden Flächen."

 

Donald Judd 1965 - Specific Objects
In: Über Kunst, Hrsg. G. de Vries, Köln 1974

Die würfelförmigen Gegenstände entgehen der strengen Gesetzmäßigkeit der gerichteten Geradlinigkeit. Diese Skulptur kann und will von einem beliebigen Standpunkt aus gesehen und wahrgenommen werden, sie begünstigt keinen, diese regelmäßige Nebeneinanderstellung von gleichen, würfelförmigen Gegenständen. Es ist weder ein vorn noch ein hinten, weder eine linke noch eine rechte Seitlichkeit.


Die Struktur der Skulptur ist durch und durch homogen: Jeder Teil ist jedem beliebigen entsprechenden Teil identisch. Deswegen besteht keine Hierarchie der verschiedenen Standpunkte ... Die würfelförmigen Gegenstände bilden eine Nebeneinanderstellung in welcher jeder Gegenstand seine Vollständigkeit behauptet. Die Zwischenräume zwischen den würfelförmigen Gegenständen sind die Hüter dieser Vollständigkeit.

 

Rémy Zaugg „Die List der Unschuld - Das Wahrnehmen einer Skulptur.

Eindhoven 1982

Zu grundsätzlichen Gedanken führen uns die Arbeiten von Donald Judd. Ihre Konzentration auf Nichts als sich selbst. Ihre hermetische Schlüssigkeit machen sie zur Materie und Form gewordenen Denkprozessen. Ihnen fehlt nicht, was einen Gegenstand ausmacht und doch fehlt Ihnen alles, was üblicherweise einen Gegenstand bestimmt: Zweck, Nutzen, fremdbestimmte Kausalität, Sinn und Inhalt, bezogen auf subjektive und kollektive Bedürfnisse.


Stattdessen strahlen Sie eine Leere und Offenheit aus, ihr bloßes Dasein und ihre Ruhe in sich selbst provozieren nicht, sie geben den Neugierigen keinen Anhaltspunkt für Geheimnisse, bieten dem assoziativen Geist keine Angriffsfläche, anderes an ihnen zu entdecken als das was sie sind.

 

Die wunderbare Gelassenheit, die sich auf Menschen überträgt, die sich innerhalb solcher von Judd durchgeplanten und ausgeführten Konstellationen bewegen, hat ihre Ursache in dieser Offenheit und Klarheit.

Jochen Poetter - Hermetik und Offenheit, Präzision und Schönheit.


Im Ausstellungskatalog Donald Judd, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 1989

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