Joseph Kosuth, 1945

Joseph Kosuth ist ein Hauptvertreter des analytischen Zweiges der konzeptuellen Kunst. Beeinflusst von der Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins beschreibt er in seiner Arbeit „Five Words in Red Neon" die Identität von Gegenstand und Aussage als einen sich selbst beschreibenden Tatbestand, eine Tautologie: Five Words in Red Neon sind nichts anderes als fünf Wörter in roten Neonbuchstaben. Dieses Verfahren dient Kosuth dazu, jeder normativen Betrachtungsweise von Kunst oder Kunstwerk entgegenzuwirken. Kosuth fertigte zahlreiche solcher tautologischer Arbeiten, die künstlerische Probleme mit Reibung und Widerstreit, mit Ironie, Absurdität oder Polemik thematisieren. Damit verdeutlicht er, dass ein Kunstwerk ein eigenes, in sich geschlossenes Modell von Wirklichkeit ist, das ausschließlich auf der Grundlage seiner eigenen Begrifflichkeit zu definieren ist: „Kunst ist Kunst, nicht mehr, nichts weniger". Kosuth analysiert die Reflexion der Bedeutung von Kunst innerhalb ihrer eigenen Bedingungen. Mit Five Words in Red Neon manifestiert Kosuth das Scheitern einer Abbildtheorie der Welt in Form logischer Sätze.

 

Mönchehaus Museum Goslar
Palais des Mirages - Werke aus der Sammlung FER
Juni 2009

Als frühe Arbeit - und als eine Art »Inkunabel« der Konzeptuellen Kunst - bezeichnet One and Three Doors bereits wesentliche Aspekte im Werk von Joseph Kosuth. Jede Aussage über den Gegenstand hinaus (hier: eine Tür) vermeidend, sind die drei grundsätzlichen Formen seiner Wahrnehmung (die Wirklichkeit: die Tür; ihr Abbild: das Foto; der Begriff: die lexikalische Definition) sowohl Erscheinung wie Inhalt. »Kunst hat mit Logik und Mathematik gemeinsam, dass sie eine Tautologie ist; das heißt, der >Kunstgedanke< (oder das >Werk<) und Kunst sind ein und dasselbe und lassen sich als Kunst begreifen, ohne dass man den Kunstzusammenhang verlassen müsste.«

 

In dieser Menschheitsepoche könnte Kunst - nach Philosophie und Religion - möglicherweise das Unterfangen sein, das befriedigt, was ein anderes Zeitalter vielleicht »die geistigen Bedürfnisse des Menschen« genannt hätte. Oder, anders ausgedrückt: es könnte sein, dass sich Kunst analog mit dem Zustand der Dinge »jenseits der Physik« befasst, worüber früher die Philosophie Feststellungen zu treffen hatte. Und die Stärke der Kunst besteht darin, dass selbst der vorige Satz eine Behauptung ist und sich nicht durch Kunst verifizieren lässt. Der einzige Anspruch der Kunst gilt der Kunst. Kunst ist die Definition von Kunst.

 

Joseph Kosuth, 1969

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