Sol LeWitt, 1928 - 2007

Die drei plastischen Arbeiten in der Sammlung FER können durchaus als eine Abfolge der unmittelbar aufeinander sich entwickelnden und beziehenden Werkgruppen dieser zentralen Schaffensphase Sol LeWitts in der zweiten Hälfte der 60er Jahre gelesen werden. Es sind drei skulpturale Objekte, die den entscheidenden Übergang von den grundlegenden minimalistischen modularen Strukturen fester Körper über die Erkundung ihrer räumlichen Ausdehnung und ihrer seriellen Anordnung hin bis zu einer neuartigen, in erster Linie konzeptuellen Werkauffassung markieren.

 

Mit Cube-Cube bekommt das einzelne Objekt einen Beispielstatus. Cube-Cube ist die in sich geschlossene Realisierung des Konzeptes, sowohl einer modularen Anwendung, als auch ihrer kürzestmöglichen Definition im Titel.

Einen Schritt weiter geht Three Squares (Wall/Floor Piece) von 1966. Die drei Möglichkeiten der Positionierung dieser drei an den Wänden und auf dem Boden fixierten Quadrate aus Vierkantstangen, sind zugleich eine knappe Darstellung der drei Dimensionen, also der möglichen Ausdehnung eines Körpers, der hier auf die von LeWitt ausgewählte ideale, möglichst unspezifische Grundform des Kubus zurückgeführt wurde. Es handelt sich also um die minimale Darstellungsmöglichkeit des kubischen Körpers im Raum.

Die serielle Idee war ... die bedeutsame Zwischenstation von der modularen Struktur zur konzeptuellen Arbeit LeWitts.

 

Deutlich wird dies in der Arbeit Cubes with Hidden Cubes von 1967 (plastische Ausführung von 1977) die in gewissem Sinne auch den Wendepunkt, oder eigentlich, den Kristallisationspunkt des konzeptuellen Gedankens noch im Bereich der Minimal Art darstellt. Zur selben Zeit verfasst Sol LeWitt auch seine wichtigen Artikel zur Konzeptkunst, zu denen er klarstellt, dass für ihn die Unterscheidung zwischen minimalistischer und konzeptueller Kunst ohnehin nicht existiere, sondern dass er von vorneherein den Begriff der Concept Art auch für die unter Minimal Art zusammengefassten Kunstwerke bevorzuge.

 

Der Raum stellt das Koordinatensystem für Sol LeWitts Strukturentwürfe zur Verfügung, wobei ... das menschliche Maß LeWitts „Modul" darstellt. Demnach ist die Größe eines Kunstwerks sinnvoll, wenn sie einen Bezug zum Betrachter und/oder zum umgebenden Raum hat. LeWitt steht damit in einer langen Tradition der Proportionslehre von Polyklet über Vitruv, Alberti, Leonardo, Dürer, Schadow bis hin zum Modulor Le Cobusiers, der zusammen mit dem konstruktivistischen Bezugsfeld des Bauhauses sicherlich zu den unmittelbaren Einflüssen des Amerikaners gehört.

 

Ralph Melcher
In: Minimal Art - Ausstellungskatalog aus den Sammlungen FER, Fröhlich und Siegfried Weishaupt
Museum für Neue Kunst MNK/ZKM Karlsruhe
17. März - 29. April 2001


I would like to produce something I would not be ashamed to show to Giotto.

Sol LeWitt

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