Peter Roehr, 1944-1968

Als er 1968 mit 23 Jahren starb hatte Peter Roehr fast 700 Arbeiten geschaffen, die sich mit Konsequenz und Leidenschaft nur einer Sache widmeten:
Dem Prinzip der Wiederholung - rigider als Andy Warhol, aber eben in Frankfurt am Main. Roehr, das sieht man heute war die deutsche Gründungsfigur von Minimal Art, Pop-Art, Konzeptkunst und Appropriation Art. Es wird Zeit, dass wir ihn endlich feiern, jetzt 40 Jahr nach seinem Tod.

 

Roehr war besessen von seiner künstlerischen Mission, der seriellen Wiederholung. Warum? „Weil ich glaube, dass jedes Ding erfassbare Eigenschaften in sich birgt, die wir jedoch selten wahrnehmen. Wenn wir ein Ding mehrere Male nebeneinander oder untereinander oder hintereinander wahrnehmen, bemerken wir diese Eigenschaften", sagte Roehr 1965.

 

Bei Roehr wird Walter Benjamins berühmtes Wort vom „Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" auf die Spitze getrieben: Roehrs Kunstwerke sind nichts anderes mehr, als die Wiederholung der technischen Revolution. Genau das unterscheidet ihn von seinen Zeitgenossen Warhol, Armand, Judd oder Carl Andre, die sich auf ähnliche Weise dem Prinzip der Wiederholung näherten. Denn bei ihnen gab es noch einen „Künstler" hinter dem Werk, Individualität, Komposition. Roehr hielt selbst Warhol noch für einen Romantiker, weil er den Siebdruck viel zu kreativ einsetzte, in einem letztlich doch malerischen, die Technik unterordnenden Ansatz und natürlich weil Warhol als Künstler wahrgenommen werden wollte.

 

Roehr hatte das Ideal als Autor hinter nicht mehr erfundenen Bildern unkenntlich zu werden". Dieses Ziel zumindest, hat er, so muss man heute feststellen, nicht erreicht.

 

... Die Avantgarden, die Roehr folgten, die Pop-Art, die Minimal-Art, die Konzept-Kunst, die Appropriation-Art, haben durch ihre Wiederholungen von Peter Roehrs Ansätzen sein Werk der Wiederholung einzigartig gemacht.

 

Monopol, Nr. 2/2008 - Februar
Seite 67
Der Serientäter von Florian Illies

Lieber Peter ...., es müsste Dich freuen, dass heute, Ende der 80er Jahre Deine Kunst - in Konzeption wie Erscheinung - eine „Modernität" ausstrahlt, die es sonst eigentlich nur bei Künstlern gibt, die jetzt so jung sind, wie Du damals.
Also bei der Avantgarde von heute. Von welchem Deiner Zeitgenossen ließe sich das sagen? .... Ich weiß nicht, ob ich es anders möchte, aber diese Zeilen zu Deinem 20. Todestag sind immer noch eher ein Gruß an einen „Avantgardisten" als an einen etablierten Künstler ... Mein Gruß zu Deinem 20. Todestag geht an Dich als Künstler und an den Künstler als Freund, der - durch seine Kunst - nie wirklich gestorben ist. Unsere Gespräche sind in Gedanken weitergegangen und unsere gemeinsame Arbeit in der Wirklichkeit.
Dein Paul

 

Paul Maenz anlässlich der Peter Roehr-Ausstellung bei
Paul Maenz, Köln, 09. September bis 08.10.1988 und
Herbert Maier-Ellinger, Frankfurt/Main, 11.10 bis 19.11.1988

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